So gelingen dir Fotos mit Bokeh-Effekt

Ein gestochen scharfes Objekt vor einem „fleckig“ verschwommenen Hintergrund – dieser Effekt ist ein großartiges Stilmittel in der Fotografie!
In diesem Artikel erfährst du, wie genau dieses sogenannte Bokeh zustande kommt und wie du es sowohl mit deiner normalen Kamera, als sogar auch mit deinem Smartphone erzielen kannst. 🙂

Was genau ist ein Bokeh?

Beim bewussten Spiel mit Schärfe und Unschärfe kannst du das Auge des Betrachters ganz gezielt auf bestimmte Elemente lenken. Dein Hauptmotiv wird natürlich knackig scharf abgebildet. Unwichtiges, was vom eigentlich Motiv nur ablenken würde, lässt du hingegen einfach ganz elegant verschwimmen.

Der unscharfe Bereich kann dabei sowohl vollkommen verschwommen sein, als auch aus „Lichttupfen“ bestehen. Die Form und Beschaffenheit dieser „Unschärfekreise“ nennt sich Bokeh.

Bokeh-Effekt - Fotografie-Tutorial

Klassischerweise befindet sich das Hauptmotiv dabei im Vordergrund, während der Hintergrund in Unschärfe verschwimmt. Das ist zum Beispiel eine beliebte Technik bei Portraitfotos. Natürlich kannst du den Spieß aber auch herumdrehen und ein weiter entferntes Objekt scharf abbilden, während der Vordergrund unscharf bleibt.

Übrigens hat ein Bokeh nichts mit dem Blumenstrauß, Bouquet, zu tun – der Begriff „Bokeh“ leitet sich her vom japanischen Wort für „unscharf“. 😉

Wie bekomme ich so ein Bokeh hin?

Einen Bokeh-Effekt erzielst du, indem du den Fokuspunkt auf das Objekt im Vordergrund stellst. Je größer dabei der Abstand zwischen Vorder- und Hintergrund ist, desto ausgeprägter fällt das Bokeh aus.

Dabei kommt so etwas heraus:

Mit Blende f/8 bekommen die Lichteffekte eine deutliche Form

Blende f/8

Je weiter du die Blende öffnest, desto geringer wird die Schärfentiefe, sprich: desto unschärfer wird dein Hintergrund. Die Lichtkreise verschwimmen und werden größer.

[hoot_box type=“info“ color=“green“]Lesetipp: ISO, Blende, Belichtungsdauer, wtf?[/hoot_box]

Blende f/2.8

Blende f/2.8

Am besten stellst du deine Kamera so ein, dass du den Fokuspunkt (also den Bereich, auf den scharfgestellt wird) selber festsetzen kannst. Andernfalls musst du so lange herumprobieren, bis die Kameraautomatik auf genau diese Stelle fokussiert – spar dir deine Nerven lieber für andere Dinge. 😉

Wie genau das Bokeh aussieht, hängt von deinem Objektiv ab. Du kannst die Form dieser Unschärfetupfen sogar beeinflussen und mit einem kleinen DIY Herzchen, Sternchen oder sonstige Formen erhalten. 😉

Welche Hintergründe eignen sich für Bokehs?

Grundsätzlich kannst du mit dieser Technik natürlich jedweden Hintergrund verschwimmen lassen. Allerdings wirkt sich die Beschaffenheit des Hintergrunds auf das Bokeh aus: ein sehr unruhiger Hintergrund, vor allem mit starken Kontrasten, führt schnell zu einem „fleckigen“ Bokeh. Gerade bei Schwarz-Weiß-Fotos kann das irritierend wirken und vom Hauptmotiv ablenken.
Bis zu einem gewissen Grad kannst du dem entgegensteuern, indem du deine Blende so weit wie möglich öffnest: dadurch nimmt ja die Unschärfe zu und du bekommst weniger und weichere Übergänge im Hintergrund.

Wenn dein Hintergrund hingegen zu wenig Struktur bietet (wie beispielsweise eine Wand oder der Himmel), dann entsteht hingegen kaum ein nennenswertes Bokeh.

Teleobjektiv mit Offenblende: Sigma 70-200mm @ 104mm, f/2.8

Teleobjektiv mit Offenblende: Sigma 70-200mm @ 104mm, f/2.8. Der Fokus liegt auf Julis Augen. An den Beinen siehst du bereits ein leichtes Bokeh, die weiter entfernten Blätter im Hintergrund sind stärker verschwommen.

Lichter ergeben häufig ein sehr ansprechendes Bokeh – sei es die Beleuchtung am Weihnachtsbaum, Sonnenstrahlen, die durch Blattwerk brechen, eine Reihe von Straßenlaternen oder eine Leuchtreklame in einiger Entfernung.

Am besten probierst du das gleiche Motiv vor verschiedenen Hintergründen aus und experimentierst dabei auch mit dem Abstand und der Blendenöffnung herum – so bekommst du ein gutes Gespür für das jeweils optimale Setting.

Bokeh mit dem Smartphone?

Mit dem Smartphone ist es nicht ganz so einfach, einen hübschen Bokeh-Effekt zu erzielen – aber hey, es geht! 🙂

Anmerkung: ich selber nutze ein iPhone 6, daher kann ich dir hier nur Tipps für iOS-Apps geben. Für Android und andere Systeme existieren aber sicher ähnliche Apps.

Die standardmäßig installierte Foto-App ist ja nun vergleichbar mit dem Automatikmodus an einer normalen Kamera: du musst dich um nicht viel mehr kümmern, als den Auslöser zu drücken. Damit werden die meisten Fotos ganz annehmbar. Allerdings hast du keine Möglichkeit, selber die Belichtungszeit, Blendenöffnung und so weiter festzulegen.
Wenn du Fotos mit einem Bokeh aufnehmen möchtest, musst du also darauf hoffen, dass die Kamera-App die entsprechenden Einstellungen für die Schärfentiefe wählt.

Dazu gehst du mit der Kamera am besten so nah wie möglich an dein Objekt heran und fokussiert darauf, indem du es antippst.

Einen Schritt weiter kannst du mit der App Camera+ gehen: sie gibt dir die Kontrolle über fast alle Parameter deiner Smartphone-Kamera, was nicht nur für Bokeh-Fotos hilfreich ist.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass das Bokeh beim Smartphone oft nicht allzu prickelnd aussieht. Die Objektivhersteller investieren ja nicht von ungefähr viel Zeit und Mühe, um ansprechende Bokehs zu erzielen. Da können Smartphone-Kameras nicht mithalten.

Von „echten“ und „unechten“ Bokeh-Apps

Kommen wir also zur Trickkiste der Smartphone-Fotografie: Apps. Denn natürlich lässt sich ein Bokeh auch im Nachhinein faken. So ein hingebasteltes Bokeh kommt zwar nicht an die Qualität eines echten Bokehs heran, aber hey – wir fotografieren hier mit einem Telefon. 😉
Mit Fingerspitzengefühl eingesetzt, kannst du damit schon hübsche Ergebnisse erzielen.

Wenn du im AppStore nach „Bokeh“ suchst, findest du jede Menge Apps. Die meisten helfen dir allerdings nicht dabei, diesen Schärfe-Unschärfe-Verlauf zu manipulieren. Vielmehr kannst du damit nur bunte Lichteffekte einfügen. Diese sogenannten Blendenflecke (Lens Flare) entstehen, wenn du gegen die Sonne fotografierst und die Lichtstrahlen vom Objektiv reflektiert werden. Mit einem Bokeh im eigentlichen Sinne haben sie nichts zu tun.

Wenn du trotzdem mal so eine App ausprobieren möchtest: Bokehful nutze ich selber ab und an. Kann mal nett sein, sieht schnell kitschig aus, ist aber nicht das, was wir hier haben wollen. 😉

Mit Bokehful kannst du bunte Blendenflecke mit verschiedenen Formen einfügen

Mit Bokehful kannst du bunte Blendenflecke mit verschiedenen Formen einfügen

App-Empfehlung: Bokeh Lens

Die App Bokeh Lens ist aber genau das Richtige für unsere Zwecke: du öffnest ein beliebiges Foto und legst fest, welche Bereiche scharf bleiben sollen und welche unscharf verschwimmen sollen.

Das hier ist mein Ausgangsfoto, aufgenommen mit der ganz normalen Kamera-App:

Ausgangsfoto: Vorder- und Hintergrund sind gleich scarf

Ausgangsfoto: Vorder- und Hintergrund sind quasi gleich scharf

Zuerst malst du den Bereich, der knackig scharf bleiben soll, mit einer Maske aus. Diese geschützten Stellen werden rot dargestellt.

Der rote Bereich bleibt scharf.

Der rote Bereich bleibt scharf.

Tipp: wenn du zwei Finger gleichzeitig auf das Display legst, kannst du rein- und rauszoomen sowie durch das Bild scrollen. Die besten Ergebnisse erzielst du nämlich, wenn deine Maske so genau wie möglich ist. In einer vergrößerten Ansicht geht das am besten.

Du kannst die Größe des Pinsels einstellen und maskierte Bereiche auch wieder wegradieren.

Mit den beiden Schiebereglern legst du die Stärke des Bokeh-Effekts fest. Weniger ist hier meist mehr.

Mit den beiden Schiebereglern legst du die Stärke des Bokeh-Effekts fest. Weniger ist hier meist mehr.

Anschließend lässt die App die nicht markierten Bereiche unscharf verschwimmen. Wie genau dieser Effekt ausfallen soll, stellst du über zwei Schieberegler ein: der obere steuert die Größe der Bokeh-Lichtpunkte, der untere regelt die Stärke der Unschärfe.

Fazit
Als Bokeh bezeichnet man die unscharf verschwommenen Bereiche im Bild, die dabei oft eine Art Lichttupfen bilden. Um diesen schönen Effekt in deinen Fotos zu nutzen, fokussierst du auf das Objekt im Vordergrund. Je weiter offen deine Blende ist und je größer der Abstand zwischen Vorder- und Hintergrund ist, desto geringer wird deine Schärfentiefe – und das prägt dein Bokeh.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir weitergeholfen! 🙂

Setzt du in deinen Fotos bewusst Bokeh-Effekte ein?

    Kommentare

  1. Carolin am 20. März 2016 um 12:19:

    Schöner und informativer Post! Ich bin ein großer Fan von Bokeh. 🙂

  2. Thomas am 20. März 2016 um 14:38:

    Wieder mal ein sehr guter Artikel. Bokeh ist was richtig feines und noch besser ist es, wenn der Effekt beim Fotografieren bereits erzeugt wird. An dieser Stelle bin ich mal gar kein Freund vom nachträglichen Einfügen. So ist z.B. beim dem Stempelbild ein Fehler drinnen. Teile der Schere wären bei einer richtigen Fotografie auch scharf, da sie auf der gleichen Schärfeebene wie der Stempel liegen.

    Sehr gut ist aber der Tipp mit Camera+ auf iOS-Ebene. Ich nutze das selber sehr gerne, weil man damit die Einstellungen der Kamera sehr gut steuern kann.

    LG Thomas

    • Anne am 20. März 2016 um 16:55:

      Jep, gut aufgepasst mit der Schere. 😉 Bei dem Stempelbild ist so einiges falsch: obwohl ich die Maske exakt auf die Konturen des Stempels gelegt habe, ist der Hintergrund außenrum ja auch ein bisschen zu scharf. Das würde bei einem echten Bokeh natürlich nicht passieren. Und die Stärke der Unschärfe müsste innerhalb des Stempels auch etwas variieren. 😉

  3. […] & Organisation Instagram Hashtags organisieren ~ Bokeh-Effekt bei Fotos ~ Ordner selbst gestalten […]

  4. Christina am 5. April 2016 um 19:04:

    Sehr interessanter Post! Ich mag Bokeh-Effekte sehr gern, finde es aber nach wie vor recht schwierig dies mit meiner DSLR hinzubekommen.
    Liebe Grüße,
    Christina ♥ https://caliope-couture.com

  5. […] Was genau ein Bokeh in der Fotografie ist und wie es dir in deinen Fotos gelingt, habe ich übrigens auf meinem anderen Blog neontrauma.de vor einiger Zeit mal in einem Tutorial gezeigt. […]

  6. […] So gelingen die Bokeh-Effekte […]

  7. Stephan Gohmann am 1. Januar 2017 um 12:47:

    Ich vewende gerne meine alten Analog Objektive und setze diese mittels Adapter an meine Digitalkameras. Da ich fast ausschließlich manuell fotografiere, stört mich der Verlust etwaiger Automatikfunktionen nicht. Bevorzugte Motive sind Blüten, die fast ohne Schärfe aber mit viel Bokeh ablichte. Das erinnert manchmal an Malerei.

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